Gut gemeint hat es die Stadtverwaltung Izmir sicher und wohl auch Mühe gegeben. Frucht dieser Arbeit ist eine kleine Broschüre mit dem Titel "Anleitung zum Schutz vor Prügel". Darin finden sich so brauchbare Ratschläge wie "Meiden Sie im akuten Fall Räume mit nur einem Zugang, wie etwa das Bad." Oder es wird geraten "Embrionalstellung" einzunehmen, wenn es gerade Prügel hagelt. Immer griffbereit sollte eine Tasche stehen. Die Kolumnistin Ceyda Isik ist dem Himmel auf internethaber vor allem für eins dankbar: dass nicht auch noch geraten wird ein Mal die Woche mit seinem gewalttätigen Gatten eine "Übung" abzuhalten, damit man für den Ernstfall vorbereitet ist.
Wir erkennen daraus: Prügelnde Ehemänner scheinen unumgänglich. Einfacher ist es für frau in der Türkei sich einfach daran zu gewöhnen, sprich vorzubereiten. In diesem Sinne werden sicher bald auch Broschüren zum Thema "Verhalten bei Vergewaltigung", "Anleitung bei Diskriminierung" oder das "Merkblatt nach vermeidbaren Unfällen" erscheinen. Es heißt ja immer: Bildung ist einfach das A und O!
Donnerstag, 13. Oktober 2011
Wer hat jetzt die Hosen an?
Und wieder haben die Frauen nicht die Hosen an. Zumindest nicht im Türkischen Parlament. (siehe: Was ziehen wir heute an?) Irgendwie ging dann doch alles zu schnell und man bekam wohl Angst vor dem Stein, den man angestoßen hatte. Eigentlich wollte man es außerdem einfach richtig machen. Und zu guter Letzt machte man eben einfach gar nichts. Die Männer behalten die Hosen also doch für sich.
Zum einen hatten weitere Anträge auf Lockerung der Kleiderordnung zu viel Unruhe gebracht. Der Linke Sirri Sürreyya Önder hatte beispielsweise gehofft, dass man die Krawatte für Männer aus den heiligen Hallen verbannen könne und womöglich gar im Gegenzug das Kopftuch erlauben. Das war nun wohl doch ein Tick zu viel für das Land, dass anhand von Symbolen glaubt den Laizismus aufrecht erhalten zu können.
Aufatmen konnte Nusret Cicek: Der pensionierte Richter und ehemalige Berater des Justizministeriums nahm in seiner Kolumne in der Tageszeitung Akit kein Blatt vor den Mund, um seinem Unmut über die Hosen an Frauenkörpern Luft zu machen: "Diesen ekelhaften Anblick von Frauenhintern in engen Hosen, dem wir auf der Straße ausgeliefert sind, wird man nun auch ins Parlament übertragen." Weiter wettert er, dass die Hose - zumindest am Körper einer Frau - eine "zur Schaustellung der Sexualität" sei.
Und nicht zuletzt der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan selber dürfte sich freuen, dass in letzter Minute das Hosenverbot für Frauen blieb, hatte er doch bei der Eröffnung des akademischen Jahres an der Istanbul Universität darauf hingewiesen, dass es in Afrika keinen Hunger mehr gäbe, wenn der Westen "die Reste aus seinem Hosenaufschlag verteilen würde". Da haben wir doch endlich mal einen wirklich guten Grund für ein Hosenverbot!
Zum einen hatten weitere Anträge auf Lockerung der Kleiderordnung zu viel Unruhe gebracht. Der Linke Sirri Sürreyya Önder hatte beispielsweise gehofft, dass man die Krawatte für Männer aus den heiligen Hallen verbannen könne und womöglich gar im Gegenzug das Kopftuch erlauben. Das war nun wohl doch ein Tick zu viel für das Land, dass anhand von Symbolen glaubt den Laizismus aufrecht erhalten zu können.
Aufatmen konnte Nusret Cicek: Der pensionierte Richter und ehemalige Berater des Justizministeriums nahm in seiner Kolumne in der Tageszeitung Akit kein Blatt vor den Mund, um seinem Unmut über die Hosen an Frauenkörpern Luft zu machen: "Diesen ekelhaften Anblick von Frauenhintern in engen Hosen, dem wir auf der Straße ausgeliefert sind, wird man nun auch ins Parlament übertragen." Weiter wettert er, dass die Hose - zumindest am Körper einer Frau - eine "zur Schaustellung der Sexualität" sei.
Und nicht zuletzt der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan selber dürfte sich freuen, dass in letzter Minute das Hosenverbot für Frauen blieb, hatte er doch bei der Eröffnung des akademischen Jahres an der Istanbul Universität darauf hingewiesen, dass es in Afrika keinen Hunger mehr gäbe, wenn der Westen "die Reste aus seinem Hosenaufschlag verteilen würde". Da haben wir doch endlich mal einen wirklich guten Grund für ein Hosenverbot!
Montag, 10. Oktober 2011
Unsichtbar
Unsichtbar ist die Frau im Islam im öffentlichen Raum, zumindest sollte sie es sein. Unsichtbar war auch
Tenzile Erdogan, die Mutter des Premierministers Erdogan. Selten gab es Besuche des berühmten Sohnes, die in der Presse berichtet wurden. Vergangene Woche starb die alte Frau, wir wissen allerdings nicht genau in welchem Alter.
Ihre Aussegnung und Beerdigung war ein mediales Großereignis. Weinend sah man den Premier und erschüttert den Präsidenten, den Außenminister, den Energieminister, den Bürgermeister von Istanbul, den Großmufti während sie den Sarg trugen oder beteten...
Was wir nicht sahen: Die Ehefrau des trauenden Sohnes, seine Schwester, seine Tochter. Die Freundinnen und Nachbarinnen der Verblichenen, die Familienministerin oder eben kurz: Irgendeine Frau.
Hunderte Bilder in den Medien, doch um trauernde Frauen zu finden, muss man lange suchen. Irgendwo findet man sie doch noch, aber es ist nicht zu erkennen, wo sich die Ehefrau und Kinder des Ministerpräsidenten aufhalten. Eindeutig ist: Im Hintergrund. Nicht in der Nähe des Sarges.
Eigentlich könnte man es auch als Ironie des Schicksals betrachten. Denn über achtzig Jahre lebte Tenzile in einer Welt, die durch die strenge Trennung der Geschlechter bestimmt wurde und dann geleiten sie nur Männer in die Ewigkeit.
Freitag, 7. Oktober 2011
Lassen wir uns Zeit
Haber Türk, 7. Oktober 2011, Seite 1
Sefika Etik in Manisa war vor ihrem gewalttätigen Ehemann in ein Frauenhaus geflohen. Neunzehn Jahre lang hatte sie seine Prügel eingesteckt und seine Kinder groß gezogen. Doch irgendwann war es ihr zu viel und sie in der Hoffnung auf ein besseres Leben ging sie ins Frauenhaus. Er bereute, er gelobte Besserung, wollte sich bestimmt auch wieder einen Job suchen, wenn sie nur zurück käme. Zwei Kinder, fast zwanzig Jahre und Frauenhäuser bieten auch nicht für immer eine Perspektive. Also ließ sie sich von Ibrahim überreden und kam mit nach Hause. Nur eine Stunde währte das neue Glück: Dann ragte in ihrem Rücken ein Fleischermesser und ihr Mann versuchte das Haus anzuzünden um die Spuren zu beseitigen, die ihn als Mörder eindeutig entlarven würden.
Haber Türk, 7. Oktober 2011, Seite 27
H.Ö. war wegen Mordes im Gefängnis, ganze zehn Jahre hatte er verbüsst, als er durch eine Generalamnestie 2002 wieder auf freien Fuß kam. Er heiratete, aber die Ehe scheiterte. Nach nur vier Jahren ließ sich seine Frau im vergangenen Jahr scheiden. Aber Menemen bei Izmir ist überschaulich. Wenn man jemanden sucht, dann findet man auch. H.Ö. lauerte seiner Frau auf dem Weg zur Arbeit auf, zückte eine Pistole und schoss so lange auf Kopf und Brust, bis er sicher sein konnte, dass sie tot ist. Danach lieferte er sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei, konnte allerdings nicht entkommen.
Radikal, 7. Oktober 2011
Drei minderjährige Mädchen wurden unabhängig voneinander in Sanliurfa wegen Geburtswehen ins Krankenhaus eingeliefert. Eine Vierzehnjährige durfte sich auf die Geburt ihres ersten Kindes, das sie mit einem einundfünzigjährigen Verwandten erwartet, freuen. Allerdings nicht lange: den geltenden türkischen Gesetzen nach werden alle drei Väter wegen Unzucht mit Minderjährigen angezeigt werden.
Sabah, 7. Oktober 2011
Ramazan C. war nach einem Sturz aus großer Höhe so schwer verletzt, dass er in einem Krankenhaus in Gaziantep stationär behandelt werden musste. Dass dieser Krankenhausaufenthalt das Ende bedeuten würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt nur sein Bruder. Dieser schritt mutigen Schrittes mit einer Pistole bewaffnet in das Krankenzimmer, forderte die Anwesenden auf zu gehen und als sie dem, ahnend was folgen würde, nicht nachkamen, erschoss er seinen kleinen Bruder eben vor ihren entsetzten Augen. Dann ging er auf die Polizeiwache des Krankenhauses, überreichte seine Waffe und erklärte: "Mein Bruder war eine Transe. Seit zwei Jahren schämen wir uns vor die Tür zu gehen. Unsere Ehre ist wieder hergestellt."
Twitter, 7. Oktober 2011
Ümit Boyner, Vorsitzende des Unternehmer- und Industriellenverbandes TÜSIAD, schämt sich. Das Kassationsgericht hatte ein Urteil, in dem es lautete, dass die dreizehnjährige N.C. "sich der ganzen Sache bewusst gewesen sei" und deswegen die Täter satte Strafminderung kassierten, bestätigt. 28 Männer, Soldaten, Dorfschützer und Ortsvorsteher hatten das Kind vergewaltigt. Sie trägt wohl eine Mitschuld. Oder hatte die Straftat provoziert?
Die Föderation der Frauenverbände in der Türkei hatte für den 5. Oktober eine Demonstration angesagt, auf der gegen Gewalt an Frauen demonstriert werden sollte. Doch dieser Termin wurde nun nach hinten verschoben. Denn man glaubt, so hieß es in einer Presseerklärung, an den guten Willen der neuen Familienministerin Fatma Sahin. Man räumt ihr eine Frist ein.
So viel Zeit haben wir sicher...
Sefika Etik in Manisa war vor ihrem gewalttätigen Ehemann in ein Frauenhaus geflohen. Neunzehn Jahre lang hatte sie seine Prügel eingesteckt und seine Kinder groß gezogen. Doch irgendwann war es ihr zu viel und sie in der Hoffnung auf ein besseres Leben ging sie ins Frauenhaus. Er bereute, er gelobte Besserung, wollte sich bestimmt auch wieder einen Job suchen, wenn sie nur zurück käme. Zwei Kinder, fast zwanzig Jahre und Frauenhäuser bieten auch nicht für immer eine Perspektive. Also ließ sie sich von Ibrahim überreden und kam mit nach Hause. Nur eine Stunde währte das neue Glück: Dann ragte in ihrem Rücken ein Fleischermesser und ihr Mann versuchte das Haus anzuzünden um die Spuren zu beseitigen, die ihn als Mörder eindeutig entlarven würden.
Haber Türk, 7. Oktober 2011, Seite 27
H.Ö. war wegen Mordes im Gefängnis, ganze zehn Jahre hatte er verbüsst, als er durch eine Generalamnestie 2002 wieder auf freien Fuß kam. Er heiratete, aber die Ehe scheiterte. Nach nur vier Jahren ließ sich seine Frau im vergangenen Jahr scheiden. Aber Menemen bei Izmir ist überschaulich. Wenn man jemanden sucht, dann findet man auch. H.Ö. lauerte seiner Frau auf dem Weg zur Arbeit auf, zückte eine Pistole und schoss so lange auf Kopf und Brust, bis er sicher sein konnte, dass sie tot ist. Danach lieferte er sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei, konnte allerdings nicht entkommen.
Radikal, 7. Oktober 2011
Drei minderjährige Mädchen wurden unabhängig voneinander in Sanliurfa wegen Geburtswehen ins Krankenhaus eingeliefert. Eine Vierzehnjährige durfte sich auf die Geburt ihres ersten Kindes, das sie mit einem einundfünzigjährigen Verwandten erwartet, freuen. Allerdings nicht lange: den geltenden türkischen Gesetzen nach werden alle drei Väter wegen Unzucht mit Minderjährigen angezeigt werden.
Sabah, 7. Oktober 2011
Ramazan C. war nach einem Sturz aus großer Höhe so schwer verletzt, dass er in einem Krankenhaus in Gaziantep stationär behandelt werden musste. Dass dieser Krankenhausaufenthalt das Ende bedeuten würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt nur sein Bruder. Dieser schritt mutigen Schrittes mit einer Pistole bewaffnet in das Krankenzimmer, forderte die Anwesenden auf zu gehen und als sie dem, ahnend was folgen würde, nicht nachkamen, erschoss er seinen kleinen Bruder eben vor ihren entsetzten Augen. Dann ging er auf die Polizeiwache des Krankenhauses, überreichte seine Waffe und erklärte: "Mein Bruder war eine Transe. Seit zwei Jahren schämen wir uns vor die Tür zu gehen. Unsere Ehre ist wieder hergestellt."
Twitter, 7. Oktober 2011
Ümit Boyner, Vorsitzende des Unternehmer- und Industriellenverbandes TÜSIAD, schämt sich. Das Kassationsgericht hatte ein Urteil, in dem es lautete, dass die dreizehnjährige N.C. "sich der ganzen Sache bewusst gewesen sei" und deswegen die Täter satte Strafminderung kassierten, bestätigt. 28 Männer, Soldaten, Dorfschützer und Ortsvorsteher hatten das Kind vergewaltigt. Sie trägt wohl eine Mitschuld. Oder hatte die Straftat provoziert?
Die Föderation der Frauenverbände in der Türkei hatte für den 5. Oktober eine Demonstration angesagt, auf der gegen Gewalt an Frauen demonstriert werden sollte. Doch dieser Termin wurde nun nach hinten verschoben. Denn man glaubt, so hieß es in einer Presseerklärung, an den guten Willen der neuen Familienministerin Fatma Sahin. Man räumt ihr eine Frist ein.
So viel Zeit haben wir sicher...
Dienstag, 4. Oktober 2011
Schlapphüte
Eine verheißungsvolle Stellenanzeige sucht nach Bewerbern, die "starke analytische Fähigkeiten, gute Kommunikationsfähigkeiten, Verantwortungsbewusstsein mitbringen und außerdem offen für Weiterentwicklung sind, neugierig, mit praktischem Verstand gesegnet und Führungseigenschaften aufweisen". Außerdem handelt es sich um ein modernes Unternehmen, das neben Karrieremöglichkeiten auch noch jede menge weiterer Annehmlichkeiten zu bieten hat. Vor allem gesucht sind auch Fremdsprachentalente.
Doch eines stört das Gesamtbild und dürfte die eine oder andere Bewerberin doch abhalten: In der Stellenanzeige des türkischen Geheimdienstes sind Frauen eindeutig ausgeschlossen.
Nun, in der Öffentlichkeit hat das nicht für viel Aufsehen gesorgt. Warum auch? Die wenigsten können sich hier wohl Schlapphüte über geblümten Kopftüchern vorstellen. Bisher erreicht die Männerdomäne einen Anteil von 18,1 Prozent des "ungewollten" Geschlechts.
Irritiert fühlten sich vor allem Frauenverbände und die Gleichstellungskommission des Türkischen Parlaments, letztere ging der Sache nach und beantragte die Gründe für diese offensichtliche Diskriminierung der Frau darzulegen. Und wie so oft: Eigentlich möchte man diese gar nicht wirklich wissen. Wohl in Ermangelung weiblicher Beraterinnen gab Emre Tamer im Auftrag der Behörde daraufhin bekannt, dass Frauen für den Job als Geheimdienstlerinnen nicht geeignet seien, da "diejenigen, die vor allem im Osten und Südosten des Landes eingesetzt werden, mutig und stressresistent sein müssen. Frauen zeigen ihre Reaktionen zu offensichtlich und enttarnen sich. Deswegen bevorzugen wir männliche Agenten."
Dabei könnte man durchaus davon ausgehen, dass Neugierde, praktischer Verstand, Kommunikationsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein bei Frauen anzutreffen sei. Doch anscheinend benötigt man für den türkischen Secret Service dann doch eher "typisch männliche" Qualitäten. Dabei beweisen doch gerade so manche Damen hier, dass sie gut einstecken können: Jede zweite gibt nämlich zu, bereits Prügel kassiert zu haben aber 88 Prozent der Geschlagenen glauben, dass sie mit dieser Situation auch ohne Hilfe klar kommen...
Doch eines stört das Gesamtbild und dürfte die eine oder andere Bewerberin doch abhalten: In der Stellenanzeige des türkischen Geheimdienstes sind Frauen eindeutig ausgeschlossen.
Nun, in der Öffentlichkeit hat das nicht für viel Aufsehen gesorgt. Warum auch? Die wenigsten können sich hier wohl Schlapphüte über geblümten Kopftüchern vorstellen. Bisher erreicht die Männerdomäne einen Anteil von 18,1 Prozent des "ungewollten" Geschlechts.
Irritiert fühlten sich vor allem Frauenverbände und die Gleichstellungskommission des Türkischen Parlaments, letztere ging der Sache nach und beantragte die Gründe für diese offensichtliche Diskriminierung der Frau darzulegen. Und wie so oft: Eigentlich möchte man diese gar nicht wirklich wissen. Wohl in Ermangelung weiblicher Beraterinnen gab Emre Tamer im Auftrag der Behörde daraufhin bekannt, dass Frauen für den Job als Geheimdienstlerinnen nicht geeignet seien, da "diejenigen, die vor allem im Osten und Südosten des Landes eingesetzt werden, mutig und stressresistent sein müssen. Frauen zeigen ihre Reaktionen zu offensichtlich und enttarnen sich. Deswegen bevorzugen wir männliche Agenten."
Dabei könnte man durchaus davon ausgehen, dass Neugierde, praktischer Verstand, Kommunikationsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein bei Frauen anzutreffen sei. Doch anscheinend benötigt man für den türkischen Secret Service dann doch eher "typisch männliche" Qualitäten. Dabei beweisen doch gerade so manche Damen hier, dass sie gut einstecken können: Jede zweite gibt nämlich zu, bereits Prügel kassiert zu haben aber 88 Prozent der Geschlagenen glauben, dass sie mit dieser Situation auch ohne Hilfe klar kommen...
Montag, 26. September 2011
East meets West
Zehn Jahre Gewalt, Prügel und sogar Verletzungen mit dem Messer hatte Aysel A. hinter sich, als sie sich mit Veilchen am Auge, ihrer kleinen Tochter an der einen und einem Koffer in der anderen Hand an die Staatsanwaltschaft Ankara wendete. Diesmal hatte ihr Mann angekündigt sie zu töten. Versucht hatte er das bereits zuvor: vor einigen Jahren stand er vor Gericht, weil er Aysel mit dem Messer verletzt hatte. Doch weil sie in letzter Sekunde die Anzeige zurück gezogen hatte, ging er straffrei aus.
Diesmal sollte es anders sein, diesmal wollte sie Schutz. Sie war es leid das schwer verdiente Geld bei ihm abzugeben und geprügelt zu werden, wenn sie sich weigerte. Womöglich war sie vieles andere auch noch leid, was ihr dabei half, die Schwelle zu überwinden. Um so schlimmer muss es für sie gewesen sein, als man sie abwies: weil sie keinen offiziellen Trauschein vorweisen könne, sondern nur eine vor dem Imam getraute Ehe führe, schickt man sie zurück. Mit ihr wurde auch die vierjährige Tochter zurückgeschickt.
Auf der Internetseite www.darisibasina.com erfahren wir mehr darüber, was man sich unter dieser Imam- Ehe so vorstellen kann. Hier wird sie als das natürliche Recht eines jeden Muslimen beschrieben, das vom Westen mit seinen unnatürlichen Gesetzen beschnitten wird. Es wird betont, dass es zum muslimischen Kultur gehört, diese Form der Ehe, die übrigens mit bis zu vier Frauen geschlossen werden kann, zu führen. Und außerdem ist es ein Schutz der Frau und aus Respekt heiratet man sie - nicht wie im Westen, wo die Männer sich verantwortungslos vergnügen.
Offiziell sind die Zweitfrauen allerdings nicht anerkannt in der Türkei, obwohl es weit über 100.000 sein sollen. Aber wer weiss das schon genau - Belege lassen sich schwer finden. Vor allem im Südosten sollen sie vorkommen. Denn Ehefrauen sind dort kostenlose Arbeitskräfte und männliche Nachkommen ein Muss: notfalls lässt man sie eben von der Zweitfrau gebären. Aber zu glauben, dass es dieses Phänomen nur im "wilden Kurdistan" gibt, wäre falsch. Vor einigen Jahren geisterte ein Bericht durch die Medien, dass ein Berater des Ministerpräsidenten und ehemaliger Vertreter von Milli Görüs in Deutschland ebenfalls mehr als eine Ehefrau habe. Nachdem dies heiße Diskussionen losgetreten hatte, passierte: nichts.
Es gibt wohl kaum jemanden, für den die Kluft zwischen West und Ost so weit klafft, wie für die vor dem Imam getrauten Frauen. Offiziell gelten ihre Ehen nicht und sie können weder von der Familienversicherung profitieren, noch von der Rente, noch können sie sich scheiden lassen, noch haben sie häufig Recht auf ihre Kinder. Im Fall von Zweitfrauen werden diese meist sowieso auf den Namen der Erstfrau eingetragen. Das bedeutet aber auch, dass frau sie nie besuchen kann, falls das Leben die Kinder ins Ausland verschlägt (immerhin nicht selten bei einem so migrationsfreudigen ehemaligen Nomadenvolk).
Es bedeutet eben auch, dass man keinen Schutz vor einem prügelnden Mann hat, wie wir jetzt gelernt haben. Heißt es jetzt im Fall von Aysel, dass sie ihren Peiniger ehelichen sollte? Eher nein: Die Liste der Frauen, die einen Trauschein besaßen und dennoch bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Behörden keinen Schutz gefunden haben, ist lang. Es heißt, dass täglich drei Frauen in der Türkei durch männliche Gewalt sterben. Viele davon wussten, was sie erwartet, fanden aber keine Hilfe bei dem Versuch dieses Schicksal abzuwenden.
Diesmal sollte es anders sein, diesmal wollte sie Schutz. Sie war es leid das schwer verdiente Geld bei ihm abzugeben und geprügelt zu werden, wenn sie sich weigerte. Womöglich war sie vieles andere auch noch leid, was ihr dabei half, die Schwelle zu überwinden. Um so schlimmer muss es für sie gewesen sein, als man sie abwies: weil sie keinen offiziellen Trauschein vorweisen könne, sondern nur eine vor dem Imam getraute Ehe führe, schickt man sie zurück. Mit ihr wurde auch die vierjährige Tochter zurückgeschickt.
Auf der Internetseite www.darisibasina.com erfahren wir mehr darüber, was man sich unter dieser Imam- Ehe so vorstellen kann. Hier wird sie als das natürliche Recht eines jeden Muslimen beschrieben, das vom Westen mit seinen unnatürlichen Gesetzen beschnitten wird. Es wird betont, dass es zum muslimischen Kultur gehört, diese Form der Ehe, die übrigens mit bis zu vier Frauen geschlossen werden kann, zu führen. Und außerdem ist es ein Schutz der Frau und aus Respekt heiratet man sie - nicht wie im Westen, wo die Männer sich verantwortungslos vergnügen.
Offiziell sind die Zweitfrauen allerdings nicht anerkannt in der Türkei, obwohl es weit über 100.000 sein sollen. Aber wer weiss das schon genau - Belege lassen sich schwer finden. Vor allem im Südosten sollen sie vorkommen. Denn Ehefrauen sind dort kostenlose Arbeitskräfte und männliche Nachkommen ein Muss: notfalls lässt man sie eben von der Zweitfrau gebären. Aber zu glauben, dass es dieses Phänomen nur im "wilden Kurdistan" gibt, wäre falsch. Vor einigen Jahren geisterte ein Bericht durch die Medien, dass ein Berater des Ministerpräsidenten und ehemaliger Vertreter von Milli Görüs in Deutschland ebenfalls mehr als eine Ehefrau habe. Nachdem dies heiße Diskussionen losgetreten hatte, passierte: nichts.
Es gibt wohl kaum jemanden, für den die Kluft zwischen West und Ost so weit klafft, wie für die vor dem Imam getrauten Frauen. Offiziell gelten ihre Ehen nicht und sie können weder von der Familienversicherung profitieren, noch von der Rente, noch können sie sich scheiden lassen, noch haben sie häufig Recht auf ihre Kinder. Im Fall von Zweitfrauen werden diese meist sowieso auf den Namen der Erstfrau eingetragen. Das bedeutet aber auch, dass frau sie nie besuchen kann, falls das Leben die Kinder ins Ausland verschlägt (immerhin nicht selten bei einem so migrationsfreudigen ehemaligen Nomadenvolk).
Es bedeutet eben auch, dass man keinen Schutz vor einem prügelnden Mann hat, wie wir jetzt gelernt haben. Heißt es jetzt im Fall von Aysel, dass sie ihren Peiniger ehelichen sollte? Eher nein: Die Liste der Frauen, die einen Trauschein besaßen und dennoch bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Behörden keinen Schutz gefunden haben, ist lang. Es heißt, dass täglich drei Frauen in der Türkei durch männliche Gewalt sterben. Viele davon wussten, was sie erwartet, fanden aber keine Hilfe bei dem Versuch dieses Schicksal abzuwenden.
Mittwoch, 21. September 2011
Nix für echte Kerle
Von Fußball verstehe ich nichts, aber wenn man einen Blick auf die Sommer-Emma wirft, wird einem klar, dass man als brave Feministin Interesse daran entwickeln sollte, wie 22 Menschen schwitzend über den Rasen laufen.
40.000 Zuschauerinnen verzeichnete ein Spiel zwischen Fenerbahce und Manisaspor diese Woche. ZuschauerINNEN wohlgemerkt: Nachdem den Fans aufgrund des laufenden Wettskandals wohl das Temperament durchgegangen war und sie den Platz gestürmt hatten, wurde über den Istanbuler Topverein eine Sperre verhängt und eigentlich müsste er ohne Zuschauer spielen. Doch clever sind die Herren ja, die Millionen mit dem Ball verdienen und stellten fest, dass Frauen und Kinder eben keine Zuschauer sind. So fand das Spiel vor ausschließlich weiblichem Publikum statt. Ein Novum in der gesamten Fußballwelt und in der Türkei größtenteils gefeiert.
Nur einige wenige Stimmen werden laut, die zwar den Frauen die Freude am männerfreien Fußballgenuss im Stadion gönnen, den bitteren Beigeschmack allerdings nicht schlucken möchten.
Denn eine Begründung, warum Frauen eigentlich keine Zuschauer sind, gibt es nicht.
Bahar Cuhadar schlägt in Radikal ganz richtig vor: Wenn es wirklich um positive Diskriminierung von Frauen gehen soll und Frauen effektiv etwas davon haben sollen, könnten sich die Vereine ja dazu durchringen ein prestigereiches Derby wie beispielsweise Fenerbahce-Galatasaray für Männer zu sperren.
Stimmt. Wenn die Herren der Fußballindustrie das schaffen, nehmen wir ihnen ab, dass sie Frauen als Fans, als Zuschauer oder von mir aus auch als Wirtschaftsfaktor ernst nehmen und nicht nur als bunte Deko eines leeren Stadions. Übrigens: das Spiel würde ich mir dann auch ansehen...
40.000 Zuschauerinnen verzeichnete ein Spiel zwischen Fenerbahce und Manisaspor diese Woche. ZuschauerINNEN wohlgemerkt: Nachdem den Fans aufgrund des laufenden Wettskandals wohl das Temperament durchgegangen war und sie den Platz gestürmt hatten, wurde über den Istanbuler Topverein eine Sperre verhängt und eigentlich müsste er ohne Zuschauer spielen. Doch clever sind die Herren ja, die Millionen mit dem Ball verdienen und stellten fest, dass Frauen und Kinder eben keine Zuschauer sind. So fand das Spiel vor ausschließlich weiblichem Publikum statt. Ein Novum in der gesamten Fußballwelt und in der Türkei größtenteils gefeiert.
Nur einige wenige Stimmen werden laut, die zwar den Frauen die Freude am männerfreien Fußballgenuss im Stadion gönnen, den bitteren Beigeschmack allerdings nicht schlucken möchten.
Denn eine Begründung, warum Frauen eigentlich keine Zuschauer sind, gibt es nicht.
Bahar Cuhadar schlägt in Radikal ganz richtig vor: Wenn es wirklich um positive Diskriminierung von Frauen gehen soll und Frauen effektiv etwas davon haben sollen, könnten sich die Vereine ja dazu durchringen ein prestigereiches Derby wie beispielsweise Fenerbahce-Galatasaray für Männer zu sperren.
Stimmt. Wenn die Herren der Fußballindustrie das schaffen, nehmen wir ihnen ab, dass sie Frauen als Fans, als Zuschauer oder von mir aus auch als Wirtschaftsfaktor ernst nehmen und nicht nur als bunte Deko eines leeren Stadions. Übrigens: das Spiel würde ich mir dann auch ansehen...
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