Von Fußball verstehe ich nichts, aber wenn man einen Blick auf die Sommer-Emma wirft, wird einem klar, dass man als brave Feministin Interesse daran entwickeln sollte, wie 22 Menschen schwitzend über den Rasen laufen.
40.000 Zuschauerinnen verzeichnete ein Spiel zwischen Fenerbahce und Manisaspor diese Woche. ZuschauerINNEN wohlgemerkt: Nachdem den Fans aufgrund des laufenden Wettskandals wohl das Temperament durchgegangen war und sie den Platz gestürmt hatten, wurde über den Istanbuler Topverein eine Sperre verhängt und eigentlich müsste er ohne Zuschauer spielen. Doch clever sind die Herren ja, die Millionen mit dem Ball verdienen und stellten fest, dass Frauen und Kinder eben keine Zuschauer sind. So fand das Spiel vor ausschließlich weiblichem Publikum statt. Ein Novum in der gesamten Fußballwelt und in der Türkei größtenteils gefeiert.
Nur einige wenige Stimmen werden laut, die zwar den Frauen die Freude am männerfreien Fußballgenuss im Stadion gönnen, den bitteren Beigeschmack allerdings nicht schlucken möchten.
Denn eine Begründung, warum Frauen eigentlich keine Zuschauer sind, gibt es nicht.
Bahar Cuhadar schlägt in Radikal ganz richtig vor: Wenn es wirklich um positive Diskriminierung von Frauen gehen soll und Frauen effektiv etwas davon haben sollen, könnten sich die Vereine ja dazu durchringen ein prestigereiches Derby wie beispielsweise Fenerbahce-Galatasaray für Männer zu sperren.
Stimmt. Wenn die Herren der Fußballindustrie das schaffen, nehmen wir ihnen ab, dass sie Frauen als Fans, als Zuschauer oder von mir aus auch als Wirtschaftsfaktor ernst nehmen und nicht nur als bunte Deko eines leeren Stadions. Übrigens: das Spiel würde ich mir dann auch ansehen...
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Mittwoch, 21. September 2011
Nix für echte Kerle
Donnerstag, 1. September 2011
Endlich Türkin
27.000 Euro reichen für einen neuen Volvo oder den VW Golf von Kate Middleton auf Ebay. Ca. 27.000 Hunde gibt es in München. 27.000 Tonnen Apfel ergeben 25 Millionen Liter Wein und Saft. Rund 27.000 Tage dauert ein Menschenleben.
In die türkischen Statistiken hat die 27.000 jetzt eine ganz neue Bedeutung gewonnen: Rund 27.000 (!) Fälle von häuslicher Gewalt gegen Frauen sind in den ersten sechs Monaten des Jahres 2011 bei offiziellen Stellen eingegangen, erfahren wir aus der Tageszeitung radikal. Gelistet sind dabei Mord, Körperverletzung, Beleidigung etc., also jede Art von Gewalt.
Immer mehr Fälle werden verzeichnet und das ist erstmal - gut. Denn noch kann man davon ausgehen, dass einfach mehr Gewalttaten angezeigt werden und in die Öffentlichkeit geraten, als noch vor einigen Jahren. Denn vor allem muss ein Bewusstseinswandel her, damit die Seite drei der Tagespresse sich in Zukunft anderen Themen widmen kann. Denn zum Thema Gewalt und Frauen wird in der Türkei noch lange nicht einstimmig Stellung bezogen.
Einen ganz erstaunlichen Grund für die schwindelerregend hohe Zahl liefert uns beispielsweise ein Psychiater namens Prof. Dr. Oguz Berksun. Der Dozent an der Ankara Universität weiß: "Frauen brauchen die Gewalt, weil sie aus der Opferrolle Kraft beziehen." Wer hätte das gedacht. Gerne würde man seine Frau fragen, welche Dosis Prügel sie wohl (nach Ansicht ihres Mannes) braucht, um so richtig in Fahrt gen Glück zu geraten?
Die Suche nach Abhilfe gegen solch bittere Statistiken führt denn auch gern mal auf weitere Holzwege: Lütfü Senocak, seines Zeichens Leiter der Imamgewerkschaft Din-Bir-Sen beispielsweise, riet allen Ernstes, dass Frauen doch nicht sofort zur Polizei rennen sollen wenn der Mann zuschlägt. Manche Sachen sollen eben in der Familie bleiben und müssen nicht an die Öffentlichkeit getragen werden. "Sonst schadet man ja nur der Ehe". Die vorhergehenden Prügel haben der Ehe also genutzt? Ach ja, Frauen brauchen ja die Opferrolle...
Aber wer glaubt, dass nur Männer sich in aller Öffentlichkeit zu solch kruden Themen hinreißen lassen, der irrt: Auch eine Familienberaterin namens Sibel Üresin, zeitweilig auch auf der Gehaltsliste der Stadtverwaltung, sieht das ganze entspannter. Medienecho erhielt die gläubige Muslima, nachdem sie in einer Fernsehshow feststellte, dass man die Mehrehe (wohlgemerkt natürlich nur für Männer) legalisieren solle, denn die würden ja so oder so fremd gehen. Klar, da sind mehrere Frauen bestimmt eine perfekte Lösung.
Sie soll in Bezug auf familiäre Gewalt ebenfalls eine ausgeprägte Meinung haben. So wie man seine Kinder schlägt und dennoch liebt, so haut eben auch der Ehemann mal zu - aber das bedeutet ja nicht, dass er seine Frau nicht liebt oder wertschätzt. Nein, wohl nicht. Er hält sie nur für ein dummes, ungezogenes Kind. Wie sie darauf kommt, dass man Kinder schlagen darf hat sie uns bisher (Gott sei Dank) vorenthalten.
Die Liste der Stimmen, die also versuchen Gewalt an Frauen zu relativieren, ist lang. So mag es auch nicht weiter verwundern, dass vor einigen Wochen eine ehemalige Deutsche, die seit Jahren in der Türkei lebt und die Staatsbürgerschaft angenommen hat, die Prügel ihres Lebensgefährten mit den Worten "Jetzt bin ich eine echte Türkin" kommentierte.
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